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Molten präsentiert:
Dietmar Rösicke, der Ballverteiler / HandballWoche / 31.08.2004
Dietmar Rösicke kennt die Bundesliga als Trainer des Deutschen Meisters Frankfurter HC mit all ihren Schattierungen. Nach seinem Rücktritt beim deutschen Champions-League-Vertreter hat der 44-Jährige aber genügend Abstand, die Aussichten der zwölf Vereine realistisch zu beurteilen. Dabei kommen dem Ehemann von Bianca Urbanke, Deutschlands stärkster Handballerin des vergangenen Jahrzehnts, auch die Erfahrungen bei anderen Vereinen wie Leverkusen oder El Ferrobus Mislata (Spanien) zu Gute.HW-Mitarbeiter Hans Moritz analysierte mit dem Frankfurter Stärken, Schwächen und Perspektiven der Erstligisten für die bevorstehende Saison.
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Nürnberg ist ein sehr eingespieltes Team, auf jeder Position top-besetzt und mit zwei sehr guten Torhüterinnen. Sie haben nach dem Aufstieg die gleiche rasante Entwicklung genommen wie der FHC und mit dem Gewinn von DHB-Pokal und Challenge-Cup schon Erfahrung im erfolgreichen Titelkampf. Die Abgänge wurden mehr als kompensiert, das Umfeld ist professioneller geworden und mit Herbert Müller steht ein Handballverrückter im positiven Sinne an der Linie. Eigentlich ist es gut, dass sich die Verpflichtung von Nadine Krause zerschlagen hat. Sonst wäre Nürnberg für mich in dieser Saison national unschlagbar geworden.
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Die Mannschaft spielt einen modernen Handball und eine sehr offensive Abwehr. Mit der Norwegerin Lene Ege haben sie eine der besten Mittelspielerinnen der gesamten Liga. Der Rückraum ist durch das Bleiben von Nadine Krause und die Verpflichtung der slowakischen Linkshänderin Denisa Glankovicova vom Feinsten. Die Torhüterposition ist mit der Rückkehr von Clara Woltering ebenfalls doppelt und mit Auszeichnung besetzt. Auch Bayer hat schon Erfahrung im erfolgreichen Kampf um einen Titel (Pokalsieg) und wird deswegen in der entscheidenden Phase nicht ins Nervenflattem verfallen. Wichtig: Mit Renate Wolf hat eine sehr erfahrene Trainerin das Sagen, die das Team ganz gezielt geformt hat.
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Wenn man als Meister ins Rennen geht, kann man sich nicht mit weniger zufrieden geben. Dafür will ich zwei Begründungen anführen. Der Etat ist im Gegensatz zum Vorjahr noch aufgestockt worden. Zudem ist die Mannschaft im Stamm bis auf Bianca Urbanke zusammen geblieben, junge, hungrige Spielerinnen sind dazu gekommen und als gleichwertiger Torwart wurde Debbie Klijn geholt. Die fantastischen Zuschauer machen viel aus und Frankfurt hat sich in der Vergangenheit immer auf wesentliche Spiele konzentrieren können. Deswegen scheint mir der neue Modus maßgeschneidert für meine ehemalige Mannschaft, die zudem mit einem Heimspiel mehr eine sehr gute Auslosung erwischt hat. Fraglich scheint mir nur, ob alle diese Ressourcen genutzt werden können.
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Leipzig wollte im vergangenen Jahr Europa erobern und ist mit seinen großen Möglichkeiten kläglich gescheitert. Noch überraschender als im Jahr zuvor. Jetzt muss alles neu sortiert werden. Das große Manko war beim HCL immer die Abwehr, die hat die ganze Saison nicht gestanden. Viel hängt in Leipzig von Form und Gesundheit der Milica Danilovic ab. Der Kader ist sehr gut, aber eine besondere Neuverpflichtung ist nach dem Weggang von Grit Jurack nicht gelungen. Trotzdem bin ich überzeugt: Wenn der dänische Trainer die Abwehr stabilisieren kann, halten auch die Torhüterinnen besser. Dann ist Leipzig ein ernst zu nehmender Rivale.
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Trier ist eine sehr eingespielte Mannschaft, trotzdem relativ jung, und spielt einen pfiffigen Ball. Endlich sind alle Spielerinnen zusammen und bleiben hoffentlich verletzungsfrei. Allerdings hat Trier die wichtigste Säule verloren: Dago Leukefeld hat dort eine immense Arbeit geleistet, das Team aus der zweiten Liga bis zur Meisterschaft geführt. Das war enorm. Ich hatte immer das Gefühlt, in Trier war der Trainer besonders entscheidend. Die Mannschaft gehört für mich zu den großen Favoriten, wenn es dem neuen Mann am Ruder gelingt, das von Dago verbreitete Flair ' beizubehalten, die Mannschaft genau so kompakt und ballsicher auftreten zu lassen. Weil ich da nicht sicher bin, gebe ich einen halben Ball weniger.
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Buxtehude hatte zuletzt viel Pech mit dem starken Rückraum durch Verletzungen und dann die Schwangerschaft von Aleksandra Pawelska. Wenn sie diese Ausfälle kompensieren können, sind sie ein ganz heißer Anwärter auf einen internationalen Startplatz. Mit ihrer Heimstärke und der an vielen Spieltagen zu Superform auflaufenden Silke Christiansen im Tor werden die Norddeutschen auf alle Fälle eine positive Rolle spielen. Ich glaube auch, dass sich Heike Axmann als Trainerin beweisen wird, das hat sie ja zum Ende der Vorsaison schon mit Auszeichnung getan. Schade ist es trotzdem, dass Leszek Krowicki fehlt. Überhaupt sind ja mit ihm, Maik Nowak, Jürgen Gerlach, Dago Leukefeld und wohl auch mit mir gleich fünf Trainer verschwunden, die zuletzt die Spitze mit bestimmt haben.
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Dortmund ist für mich die Sphinx der Liga. An einem guten Tag schlagen die jeden, an einem schlechten kriegen sie kein Bein aufs Parkett. Nicht nur die letzte Saison war ein kurioses Auf und Ab. Thomas Happe hat aber als Trainer die Sache in die richtige Richtung bewegt. Er war ja als Spieler schon immer ein Abwehrfan, und das merkt man der Mannschaft zunehmend an. Durch die neue Linkshänderin aus Rumänien wird das Spiel variabler werden, damit ist der Weggang von Pusic nicht nur kompensiert. Dortmund ist wohl stärker als vorige Saison, ein Kandidat für Meisterschaft oder Europapokal sind sie für mich aber nicht.
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Eine heimstarke Mannschaft, die in der eigenen Halle jeden erschrecken kann. Der enormen Kampfkraft kann das Team aber nicht die spielerischen Mittel entgegen stellen. Heike Schmidt ist eine Ankurblerin im Rückraum, die Dreh- und Angelpunkt der Mannschaft ist. Oldenburg spielt eine konstante 6-0-Abwehr, die Trainer Kalafut lange eingetrichtert hat. Mit der Holländerin Diane Lamein haben sich die Norddeutschen sehr gut verstärkt, sie war die effektivste Spielerin bei Lützellinden in der vergangenen Saison. Oldenburg wird, wenn es von Verletzungen verschont bleibt, keine Sorgen um den Klassenerhalt bekommen. Mehr ist aber nicht drin.
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Die sogenannte "Graue Maus" der Liga kann den Klassenerhalt schaffen, aber nur, wenn Monika Ludmilova wirklich noch eine Saison dranhängt. Sie ist das Herz der Mannschaft und der Motor zugleich. Mainzlar hat sich zwar ordentlich ergänzt, aber mit dem kleinen Kader von zwölf Spielerinnen darf nichts passieren, wenn man die Saison in Ruhe vor den Abstiegsplätzen zu Ende bringen will. Wichtig scheint mir, dass Mainzlar weiter in der eigenen kleinen Halle in Lollar spielt Das ist für die Gäste die Hölle und purer Stress. Ich bin immer sehr ungern dort angetreten, weil die Heim-Mannschaft dort in wichtigen Spielen über sich hinauswachsen kann.
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| PSV Rostock |
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Die zweite "Graue Maus" für mich, aber nur, was die Position am Ende der Saison angehen wird. Entscheidend war schon vor einem Jahr die Verpflichtung von Svetlana Minevskaja, die im Angriff die Fäden in der Hand hält und immer ein potentieller Gefahrenherd ist. Die Mannschaft bringt trotz des Aufstiegs schon viel Erstliga-Erfahrung mit, die weißrussische Rückraumreihe ist die solide Konstante und mit Diane Roelofsen für den Kreis ist, wenn sie ihre Kreuzband-Verletzung überwunden hat, eine gute Verstärkung gelungen. Die Mannschaft wird unten mitspielen, aber nicht absteigen.
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TuS Weibern
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Eine ganz undurchsichtige Mannschaft, die im Vorjahr ein paar Etablierte erschreckt hat. Aber mit acht neuen Spielerinnen aus verschiedenen Ländern und einem neuen Trainer ist es fraglich, ob daraus auch ein richtiges Team entsteht. Das ist eine komplizierte Aufgabe für den Isländer Adalsteinn Eyjolfsson. Im übrigen ist es nicht angenehm, in Weibern zu spielen. Aber ich glaube nicht, dass die Mannschaft in diesem Jahr für die gleiche Furore sorgen kann, wie zu Beginn der vergangenen Saison.
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| SG Kirchhof |
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Tut mir leid, ich kann beim Neuling wenig zur fachlichen Einschätzung beitragen. Mir ist aber auch nichts von namhaften Verstärkungen bekannt, höchstens
Ergänzungen. Der Unterschied zwischen zweiter und erster Bundesliga ist aber gravierend und mit der Mannschaft aus dem Unterhaus ist der Klassenerhalt wohl nicht zu meistern. So tippe ich, auch ohne konkrete Kenntnis der Verhältnisse um den Verein, Kirchhof als sicheren Absteiger.
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Quelle: HandballWoche Nr. 36 / 31.08.2004
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