Berichte zur WM-Qualifikation: Deutschland - Polen / HandballWoche / Juni 2005
"Kollektiver Blackout"
Polen - Deutschland 40 : 30 (17 : 13)
Polen: Lacz (3 Paraden), Chemicz (8P); Kot (6), Marzec (6), Szafulska, Malczewska (1), Mlot (2), Niedzwiedz-Cecotka, Kowalska (6), Strzlkowska, Sikorska, Polenz (3), Wolska, Kudlacz (8/1), Wypych(8/3).
Deutschland: Gräfer (9P), Woltering (2P); Härdter, Jurack (13/4), Müller, Erfmann, Wörz (3), Reiche, Henze (5), Krause (5), Neukamp (2), Schmidt, Melbeck, Althaus (2).
SR: Kekes/Kekes (Ungarn).
Z.: 1000 in Kielce.
Zeitstrafen: 10:4 Min. (Kudlacz, Kot, Marzec, Polenz, Malczewska - Henze, Melbeck).
Siebenmeter: 5/4:5/4 (Wypych an den Pfosten - Chemicz hält gegen Jurack).
Beste Spielerinnen: Kudlacz, Wypych - Gräfer (1.HBZ), Jurack.
Spielfilm: 4:0, 5:3 (12), 8:4, 8:6,12:7(21.), 13:10(24.), 16:13,17:13-18:13, 19:16 (33.}, 21:16 (34.), 23:18, 23:20 (39.), 30:22, 33:23 (50.), 34:26,36:26,37:29 (58.), 40:30.
„Ein Spiel dauert 60 Minuten" -so oder so ähnlich hat das mal Fußball-Legende Sepp Herberger formuliert. Irgendwie hatte das die deutsche Mannschaft beim Hinspiel in Polen wohl vergessen und war nicht über die volle Spielzeit konzentriert. Der Grund: „Kollektiver Blackout" (Co-Trainer Wolfgang Reckenthäler) zwischen der 40. und 50. Minute. Die Folge: Eine „schwere Hypothek" (Bundestrainer Armin Emrich) für das Rückspiel in Oldenburg.
Bis zum 23:20 (39.) war Deutschland auf Tuchfühlung, hatte zwar bis dahin auch schon große Probleme, Agata Wypych und Karolina Kudlacz in den Griff zu bekommen, war aber keineswegs aussichtslos. Doch anstatt das Ergebnis zu verwalten, und sich mit aller Macht auf die zweite Partie in Deutschland zu stürzen, verloren Jurack und Co. im Angriff den Kopf und in der Abwehr die Übersicht. Polens mittelmäßige Torfrau Magdalena Chemicz verriegelte zudem ihren Kasten und Kinga Polenz (Linskaußen) sowie Wypych (Rückraum rechts) kamen ins Laufen. Das Team von Zygfryd Kuchta („Meine erste Aufgabe ist es nun, die Euphorie zu bremsen") erhöhte von 25:21 in nur knapp zehn Minuten auf 34:24. Wie in Trance spielten beide Teams dann die letzten Minuten herunter. Der Unterschied: Polen feierte „wie Weihnachten" (Grit Jurack) und Deutschland war von einer erfolgreichen Qualifikation „so weit weg wie St. Petersburg geographisch" (Heike Schmidt).
Zwischen Himmel und Hölle
Deutschland - Polen 31 : 25 (18 : 8)
Deutschland: Gräfer (4 Paraden), Woltering (12P); Härdter (2), Jurack (5). Müller, Erfmann, Wörz (2), Reiche (3), Henze, Stange, Krause (11/2), Schmidt (3), Melbeck(3), Althaus(2).
Polen: Lacz (3P), Chemicz (6P); Kot (1), Marzec (5), Szafufska, Malczewska (3), Mlot (1), Niedzwiedz-Cecotka, Kowalska (3), Strzlkowska, Polenz (2), Wolska, Kudlacz (6/5), Wypych (4).
SR: Repensek/Pozeznik (Slowenien).
Z.: 2200 in Oldenburg.
Zeitstrafen: 10:12 Min. (Erfmann, Wörz, Melbeck, Althaus zweimal - Marzec zweimal, Mlot zweimal, Kowalska, Strzlkowska).
Siebenmeter: 6/2:6/5 (Krause scheitert an Lasz, Jurack zweimmal an Chemicz, Schmidt an Chemicz - Gräfer hält gegen Wypych).
Beste Spielerinnen: Woltering, Krause - Malczewska, Kowalska.
Spielfilm: 3:2 (7.), 9:6, 12:7 (22.), 18:8 : 22:10, 26:15, 28:16 (47.), 30:20.31:24(54.), 31:25.
Es war eine merkwürdige Ruhe vor dem Spiel: Anspannung war bei den Zuschauern in der tollen und neuen EWE-Arena zu spüren.
Entschlossenheit bei den Spielerinnen. Dann brach der Sturm los: 4400 Hände klatschten und 2200 Kehlen brüllten Deutschland nach vorn. Konzentriert, aggressiv und ohne Rücksicht auf sich und den Gegner packte die 6:0-Abwehr zu. Dahinter stand mit Clara Woltering eine aufmerksame Torhüterin. So hatten Krause, Jurack und Co bereits zur Pause die erforderlichen zehn Tore aufgeholt, in der 47. Minute sogar ein kleines Polster (28:16) erarbeitet. St Petersburg rückte näher. Polens Trainer Zygfryd Kuchta behauptete, er habe zu diesem Zeitpunkt schon die Treppe zur Hölle gesehen.
Dann aber stellte der Trainerfuchs seine Abwehr (von 5+1 auf 4:2 und später auf 3:2:1) um. Die. Deckung gestatte nun keine Kreisanspiele mehr und unterband das Einlaufen geschickt „Da hat uns die Cleverness gefehlt", gab Woltering zu. Und Jurack behauptete, „da haben wir den Sack nicht zu gemacht". Der deutsche Rückraum wurde ungeduldig und besonders Jurack glaubte wohl, das Spiel alleine entscheiden zu müssen. Drei Fehlversuche vorne und Polen schenkte Woltering drei Konter schneller ein, als sie „Hexer" sagen konnte. Die Folge: Statt 33:20 stand es plötzlich 30:23. St. Peterburg war wieder weit weg. Mit kühlem Kopf und erstaunlicher Routine agierte Polen danach und Kuchta fand sich „im Himmel wieder".
Quelle: OLE - HandballWoche Juni / 22.11.2005
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